Pressemitteilung 12.04.2005
Kinderbetreuung als Standortvorteil Deutsche Unternehmen werden familienfreundlicher. Zum Beispiel Stuttgart: Hier gründeten Mittelständler den Verein Kind e.V., der betriebsnahe Ganztages¬betreuung für Kinder von sechs Monaten bis zehn Jahren anbietet. Dadurch können die Unternehmen hochqualifizierte (weibliche) Fach¬kräfte halten sowie neue ge¬winnen. Der Verband ist inzwischen über die Region hinaus gewachsen und will mit einem Kongress zur zeitgemäßen Kinderbetreuung, "Invest in Future" (17./18.10. in Stuttgart), die gesellschaftliche Diskussion ankurbeln. Stuttgart (eos) - Über fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland. "Da sollen Frauen lieber Zuhause bei den Kindern bleiben!", meinen viele. Was sie dabei übersehen: Schon heute herrscht ein Mangel an Fach- und Führungskräften. Schätzungsweise 4.000 Stellen für IT-Spezialisten könnten nicht besetzt werden, monierte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) unlängst. Auch anderen Branchen drohe erheblicher Fachkräftemangel, fanden Alexander Reinberg und Markus Hummel vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg heraus. Gleichzeitig sitzen hochqualifizierte Mütter (seltener: Väter) mit teurer Ausbildung am "heimischen Herd" - zum Schaden der deutschen Wirtschaft. Doch immer mehr Unternehmen erkennen die Zeichen der Zeit und investieren in Maßnahmen, die helfen sollen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Dabei ist das Thema nicht neu: Bereits vor 16 Jahren gründeten Unternehmen im Stuttgarter Industriegebiet Vaihingen-Möhringen den Verein Kind e.V. "Wir wollten betriebsnahe Kinderbetreuung auch für unter Dreijährige organisieren und damit die mittelständischen Unternehmen hier am Standort für hochqualifizierte weibliche Fachkräfte interessanter machen", berichtet Siegbert Lapp, Geschäftsführer der Lapp GmbH und seither Vorstands¬vorsitzender des Vereins. Dem Kabelhersteller, der am Stuttgarter Standort 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist die Förderung von Familien mit Kindern ein besonderes Anliegen, das über die eigene betriebliche Kosten-Nutzenrechnung hinausgeht. "Wenn wir mehr Kinder in unserer Gesellschaft haben möchten, müssen wir auch als Arbeitgeber dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen dafür stimmen", findet der engagierte Geschäftsführer, der für eine stillende Mutter schon mal das Arztzimmer des Unternehmens zum Stillraum umfunktioniert. Gerade Eltern mit ganz kleinen Kindern legten Wert darauf, dass sie in der Nähe des Arbeitsplatzes betreut werden. "Wenn es Probleme gibt, ist die Mutter oder der Vater in drei Minuten da, das beruhigt die Eltern sehr", berichtet der Chef des international tätigen Familienunternehmens. Außerdem sei dem Verein hohe pädagogische Qualität und die optimale Förderung der Kinder wichtig. "In dieser Beziehung können wir sicherlich mehr bieten, als die meisten anderen Träger", meint er selbstbewusst. Was damals mit der Kindertagesstätte "Bärcheninsel" startete, hat sich inzwischen stark ausgeweitet. "400 Ganztagesplätze in neun Kinderhäusern in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz bieten Kind e.V. sowie weitere assoziierte Trägervereine (www.kind-dachverband.de) inzwischen", berichtet Verbandsgeschäftsführerin Waltraud Weegmann. Und der Verband will wachsen: "Wir möchten unser Engagement weiter ausdehnen." Auch Ingeborg Fiegel-Kölblin, Leiterin der Personalentwicklung am Institutszentrum der Fraunhofer Gesellschaft in Stuttgart machte sich bereits vor acht Jahren für eine institutsnahe und bedarfsgerechte Kinderbetreuung stark. "Wir sind darauf angewiesen, dass unsere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter nach der Babypause so schnell wie möglich an den Arbeitsplatz zurückkommen", sagt sie. Ein Ausstieg von mehr als einem Jahr sei in der Wissenschaft ein Katastrophe - und das nicht nur fachlich. "Wenn wir die Elternzeitler durch neue Kräfte ersetzen müssen, dauert es etwa zwei Jahre bis sich diese 'refinanzieren'. So lange entstehen hauptsächlich Kosten: und zwar 125.000 Euro im Jahr." Vor diesem Hintergrund ist dem Institutszentrum die Vereinbarkeit von Beruf & Familie viel Wert. Trotzdem war damals klar: "Geld für eine eigene Kindertagesstätte gibt es nicht." Die Stadt Stuttgart vermittelte dann den Kontakt zu Kind e.V. "Hier fanden wir ein Modell, das optimal zu uns passte", erinnert sich die Personalentwicklerin. "Kind e.V. eröffnete 'unser' Regenbogenhaus nicht als Institutskindergarten, sondern als Tagesstätte für den Stadtteil. Unsere Mitarbeiter können dort über die reguläre Warteliste einen Betreuungsplatz für ihre Kinder erhalten. Wir wurden Mitglied im Trägerverein." Die laufenden Kosten bestreitet der freie Träger durch Elternbeiträge und städtische Zuschüsse. Die Beiträge der Mitgliedsunternehmen, deren Höhe von der Anzahl der betreuten Mitarbeiterkinder abhängt, fließen in die Geschäftsführung des Verbandes sowie in die Ausstattung der Häuser und die Fortbildung der Mitarbeiter. Auf diese Weise bleiben die Aufwendungen für die Unternehmen sehr überschaubar. Dabei kommen die Betriebe in den vollen Genuss der Vorteile des Kinder¬betreuungsangebots, die sich oft sogar rechnerisch darstellen lassen. Denn die Liste der positiven betriebswirtschaftlichen Effekte, die eine familienfreundliche Personalpolitik nach sich zieht, ist lang. Eine vom Familienministerium (www.bmfsfj.de) herausgegebene Studie der Prognos AG führt sie auf: geringere Fluktuation, weniger Aufwand zur Wiederbesetzung von Stellen, erhöhte Rückkehrquote, kürzere Elternzeiten, geringere Stressbelastung, weniger Fehlzeiten und niedrigerer Krankenstand, leichtere Personalgewinnung, höhere Wettbewerbsfähigkeit, Steigerung der Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten sowie ein verbessertes Unternehmensimage. "Familienfreundliche Personalpolitik sollte allerdings nicht bei der Kinderbetreuung halt machen", sagt Waltraud Weegmann. "Wir sehen das Thema in einem größeren Kontext. Familien brauchen eine insgesamt an ihren Belangen orientierte Personalpolitik." Ein Kongress zur zeitgemäßen Kinderbetreuung, "Invest in Future" (www.invest-in-future.de), den der Verband zusammen mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart am 17. und 18. Oktober 2005 durchführt, soll der Diskussion neue Impulse geben. 
Der Kind e.V.-Vorstandsvorsitzende Siegbert Lapp und Waltraud Weegmann (li neben ihm), Geschäftsführerin des Verbandes, organisieren betriebsnahe Kinderbetreuung auf hohem pädagogischen Niveau. Hier feiern sie mit Erzieherinnen und Schützlingen des Kinderhauses "Bärcheninsel" in Stuttgart-Vaihingen. Foto: Kind e.V. Weitere Informationen: eoscript Public Relations Eike Ostendorf-Servissoglou Kaiserstuhlweg 3 70469 Stuttgart Tel.: 0711- 5530946 Mobil: 0172-7032745 E-Mail: eos@eoscript.de |