Invest in future

home    Nutzungshinweise    Impressum    Fragen und Anregungen

Kongress Bildung und Betreuung

Stuttgart 18./19.10.2010 Haus der Wirtschaft

Forum für Unternehmen, öffentliche Hand, Träger

Invest in future

Invest in Future

Veranstalter

Sponsoren

Zielsetzung

Teilnehmerkreis

Invest in Future Award

Programm 2010

Referenten

Messe

Presse

Kontakt

Impressionen 2009

Impressionen 2008

Impressionen 2007

Newsletter

Presse Archiv

PM 23.10.2007

PM 16.10.2007

PM 01.10.2007

PM 11.09.2007

PM 27.07.2007

PM 26.07.2007

Terminhinweis 6.6.2007

PM 06.06.2007

PM 25.10.2006

PM 16.10.2006

PM 20.09.2006

PM 10.08.2006

PM 01.08.2006

PM 01.06.2006

PM 20.10.2005

PM 27.06.2005

PM 12.04.2005

1. Pressemitteilung

2. Pressemitteilung

PM 04.10.2004

Anmeldung

Hotelsuche

Pressemitteilung 25.10.2006

"Wissen ist der Treibstoff unserer Gesellschaft"

"Invest in Future" heißt der Kongress zur frühkindlichen Betreuung und Bildung folgerichtig, der am 16. und 17. Oktober zum dritten Mal in Stuttgart stattfand. Der Konsens: "Wir brauchen eine Bildungsoffensive, die bei den Kleinsten anfängt und umfassende Bildungspläne aus einem Guss." Auch Unternehmen engagieren sich und tragen ihr Know-How in Kitas und Schulen. Doch es gab nicht nur Einigkeit: Spätestens bei der Finanzierung wird der "Schwarze Peter" gerne weitergereicht. Außerdem schlägt die Flexibilisierung der Arbeitswelt auf die Kinderbetreuung durch. Doch wie viel Flexibilität verträgt ein Kleinkind? - Am 15. und 16. Oktober 2007 geht die Diskussion während des vierten "Invest in Future"-Kongresses weiter.

Stuttgart (eos) - Qualität gibt es nicht zum Nulltarif. Das gilt auch für Betreuung und Bildung. "Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts", sagte Dr. Daniel Dettling von berlinpolis e.V. auf einer Podiumsdiskussion während des Kongresses "Invest in Future" am 16. und 17. Oktober in Stuttgart (www.invest-in-future.de), einer Veranstaltung der Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH, des KIND e.V. Dachverbands sowie der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. Er forderte die Politiker auf, die Finanzströme umzulenken: "Das Geld ist da. Wir müssen es nur richtig einsetzen." Wirtschaftsprofessor Stefan Sell von der Universität Koblenz unterstützte das und warf dem Finanzierungssystem zwei grundsätzliche Strukturfehler vor: "Die Kommunen kommen weitestgehend alleine für die Kosten früher Betreuung und Bildung auf. Der Bund und die Länder dagegen realisieren, allerdings mit einem gewissen Zeitverzug, den Gewinn aus den Maßnahmen." Auch auf "Kundenseite" zahlten die Falschen: "Beitragspflichtig kann Bildung da sein, wo die Lernenden wirtschaftliche Vorteile ernten können. Das gilt vor allem für das Studium. Die wichtige vorschulische Bildung, die die Grundlagen für den späteren Erfolg legt, sollte dagegen konse­quenterweise beitragsfrei sein. - Wir müssen das System endlich vom Kopf auf die Füße stellen."

Wir brauchen das Potential aller Kinder!

Doch während des dritten "Invest in Future"-Symposium mit über 30 in parallelen Foren organisierten Vorträgen ging es nicht nur um Finanzierungsfragen. Die Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Pädagogik waren sich einig: "Wir brauchen eine Bildungsoffensive, die bei den Kleinsten anfängt." Günther Fleig, Personal­vorstand der DaimlerChrysler AG machte klar: "Die Zahl der Arbeitsplätze für gering Qualifizierte wird weiter abnehmen - selbst in der Produktion. Was wir brauchen sind gut qualifizierte und flexible Mitarbeiter, für die lebenslanges Lernen eine willkommene Herausforderung ist." Kann es sich ein reiches Land wie Deutschland angesichts dessen leisten, zum Beispiel in den Hauptschulen 50 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund ohne Abschluss und damit quasi ohne Berufschancen aus der Schule zu entlassen? "Wir müssen als Gesellschaft die Verantwortung für die Betroffenen übernehmen", forderte Professor Manfred Eckert von der Universität Erfurt. "Schulen brauchen heute ein Netzwerk mit Unternehmen. Sie dürfen den Jugendlichen, die häufig auch Zuhause wenig Unterstützung finden, nicht einfach ihr Zeugnis in die Hand geben und sie verabschieden." Ein Beispiel, wie der Übergang ins Berufsleben durch Unterstützung gelingen könne, sei das freiwillige 10. Schuljahr in Thüringen: "Die Maßnahme richtet sich an Hauptschulabgänger ohne Abschluss. Innerhalb dieses Jahres lernen sie in kleinen Gruppen und sehr individuell mit dem Ziel, den Schulabschluss zu schaffen. Weitere wichtige Bausteine sind Berufspraktika und Exkursionen."

Erzieherinnen und Erzieher als "Case Manager"

Was heute spät repariert werden muss, hätte durch frühe Investition in vielen Fällen vermieden werden können, das bestätigen Studien zur Effektivität guter, früher Bildung. Krippen, Kindergärten und -tagesstätten sind daher vielerorts zu Bildungs­einrichtungen geworden, die mit dem, war die heute Erwachsenen in ihrer Jugend dort erlebten, nur noch wenig zu tun haben. Doch längst nicht überall können Träger und pädagogisches Fachpersonal die vielen neuen Herausforderungen schultern. Professor Klaus Fröhlich-Gildhoff von der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, die die ersten Pädagoginnen und Pädagogen inzwischen auf akademischem Niveau ausbildet, beschrieb die umfassenden Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher heute: "Sie sind Case Manager für jedes einzelne Kind. Sie sind Ansprech- und Vertrauenspersonen für die Eltern. Außerdem sollten sie künftig verstärkt Bindeglied sein zwischen den Familien und allen Institutionen, die Eltern und Kinder unterstützen, bilden oder auch therapieren." Eine Kita müsse als Bildungseinrichtung im Sozialraum verstanden werden. "Das geht langfristig nur mit einer akademischen Ausbildung für Erzieherinnen und verbesserten Rahmen­bedingungen. Meine Zauberformel lautet: 20 - zwei - ein Drittel. Die 20 bezieht sich auf eine maximale Gruppengröße von 20 Kindern. Für eine solche Gruppe benötigen wir in einem Regelkindergarten für Drei- bis Sechsjährige zwei ausgebildete Vollzeitkräfte. Diese müssen, wie Lehrpersonal sonst auch, ein Drittel ihrer Zeit als Vorbereitungszeit nutzen können." Damit bewegte sich Deutschland dann im europäischen Mittelfeld.

Pädagogik: Nicht erst die Fehler aufzählen

Die Zielgerade lautet: "Kein Kind darf zurückbleiben. Wir brauchen das Potential aller!" Um dahin zu kommen bedarf es noch großer Anstrengungen. Die neuen Bildungspläne für den vorschulischen Bereich markieren dabei den Weg. Sie bedeuten einen Paradigmen-Wechsel hin zu einem ressourcenorientierten Ansatz. "Es geht darum den Blickwinkel zu ändern und zu sehen, was Kinder - jeden Alters - können und was sie gut machen", erläuterte Dr. Sabine Hebenstreit-Müller vom Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus, das den pädagogischen Ansatz und die Idee eines Familiendienstleistungszentrums der englischen "Early Excellence Centres" für die eigene Arbeit adaptierte. "Bislang ruhte der Blick hauptsächlich auf den Defiziten." Die neue Sicht wirke sich auch auf die Elternarbeit und die Kooperation im Team sehr positiv und leistungsfördernd aus, berichtete sie.

Unternehmen kooperieren mit Kitas und Schulen

Auch Unternehmen, die Kinderbetreuung bislang primär anboten oder unter­stützten, um Elternzeiten zu reduzieren und - vor allem - Mütter schneller wieder an den Arbeitsplatz zu holen, wenden sich zunehmend dem Bereich der (frühen) Bildung zu. "Wissen ist der Treibstoff unserer Gesellschaft", sagte Dr. Martina von Deessen, Vorstandsvorsitzende des Vereins Wissensfabrik, Ludwigshafen, der Anfang 2005 von neun Unternehmern gegründet wurde. Der Zusammenschluss, dem inzwischen 43 Firmen angehören, möchte einen Beitrag dazu leisten Deutschland zukunftsfähiger zu machen. "Die Mitglieder wissen, dass sie das, was sie da säen, nicht selbst ernten werden", sagte von Deessen. "Sie sehen ihr Engagement als Investition in die Zukunft unseres Landes." Dabei arbeiten die Unternehmen mit Kitas, Schulen und Unis zusammen und erproben Projekte wie "Kinder entdecken Wirtschaft", in denen Grundschulkinder einen ganzen Produktionsablauf, vom Design bis zum Vertrieb selbst in die Hand nehmen, oder "NaWi - geht das?", ein Programm, das schon den Kleinsten naturwissenschaft­liche Zusammenhänge nahe bringt. Hat sich ein Projekt bewährt, wird es standardisiert und dupliziert. "Es ist wichtig, dass sich jeweils vor Ort jemand ein solches Projekt auf die Fahne schreibt", erklärte von Deessen einem Kongressteilnehmer, der vorschlug, die Projektunterlagen für jeden zugänglich zu machen. "Es funktioniert nicht, wenn man den Schulen einen Experimentierkasten und ein Anleitungs­büchlein hinstellt. Das landet im Keller." Statt dessen treiben die Verantwortlichen in den jeweiligen Mitgliedsunternehmen die Projekte mit Partnerschulen vor Ort professionell voran - und haben viel Spaß dabei. "Die meisten hatten nie vorher mit Kindern gearbeitet", berichtete von Deessen, "und fühlten sich daher anfangs etwas unsicher." Doch die Offenheit und Begeisterung der Kinder steckte an, so dass jetzt alle mit viel Enthusiasmus dabei sind.

Mehr Konsistenz in den Bildungsplänen!

"Modelle wie diese sind vorbildlich", fand Waltraud Weegmann, Geschäftsführerin des Veranstalters, der Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH in Gerlingen, der die Geschäfte von 12 Kinderhäusern und einer Grundschule führt. "Sie unterstützen uns bei einer Pädagogik, die auf die Neugier und Lernbereitschaft der Kinder setzt." Es gehe darum, Kinder auf ihrem eigenen Lernweg zu begleiten, zu fordern und zu fördern. Dazu, so die einhellige Meinung der Experten, bedürfe es konsistenter Konzepte und Bildungspläne über die ganze Schullaufbahn hinweg. "Der baden-württembergische Orientierungsplan für die Bildung Drei- bis Sechsjähriger schafft eine neue Inselpädagogik", sagte der bekannte Erziehungs­wissenschaftler Professor Wassilios Fthenakis, vom Institut für Bildungswissenschaften der Universität Bozen, Italien. "In Hessen entwickelten wir dagegen einen Bildungsplan, der die Entwicklung von der Geburt bis zum zehnten Lebensjahr zusammen betrachtet."

Familien und Wirtschaft: Passt das zusammen?

Werden in pädagogischen Fragen inzwischen hauptsächlich Details diskutiert, zum Beispiel die Frage, wie viel Anleitung Kinder zum Lernen brauchen, so tritt der Dissens an anderer Stelle deutlicher zu Tage: Friederike Woermann-Seiger von der Unternehmensberatung Roland Berger beschrieb die Flexibilitätsanforderungen der Betriebe an ihre hochqualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Betreuungsproblematik, die ich daraus für deren Kinder ergibt. "Nur fünf Prozent der Einrichtungen bieten zum Beispiel eine Betreuung nach 18.00 Uhr an und nur ein Prozent hat samstags geöffnet. Von langen Ferienzeiten und fehlenden Ganztagsschulen ganz zu schweigen", sagte Woermann-Seiger. Das heiße für die Familien: ohne zusätzliche Betreuungslösungen, etwa durch Kinderfrauen, Familienangehörige oder - seltener - durch Au-Pairs, geht es nicht. "Diese Lösungen sind allerdings häufig so teuer, dass nur Spitzenverdienerinnen sie sich leisten können." Ergo, so die Folgerung von Woermann-Seiger, müsse die angebotene Betreuung umfangreicher und flexibler werden. Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, bestätigte, dass aus Sicht der Unternehmen noch viel zu tun bleibt: "Kinderbetreuung ist ein Standortfaktor im globalen Wettbewerb um Unternehmen und Fachkräfte. Gut ausgebildete Spezialisten werden nur schwer für einen Standort zu gewinnen sein, an dem sie Beruf und Familie nicht vereinbaren können. Besonders bei der Ganztagsbetreuung ist Deutschland international noch nicht wettbewerbsfähig."

"Wir dürfen aber bei diesen Forderungen die Bedürfnisse der Kinder nicht aus den Augen verlieren", sagte Pädagogin Tina Weil von Konzept-e während der abschließenden Podiumsdiskussion. Es gehe ihr nicht darum, das Rabeneltern-Vorurteil zu bedienen, erläuterte Weil später, aber es müsse auch klar sein, dass Kinder verlässliche Strukturen bräuchten, die sich nicht von Tag zu Tag oder Woche zu Woche ändern dürften. "Kinder ticken nicht im Takt der sich beschleunigenden und rasch wandelnden Wirtschaft. Sie brauchen Langsamkeit, Zeit und Kontinuität."

Balance zwischen Arbeits- und Familienleben

Die Interessen von Eltern und Kindern, Familie zu gestalten und dazu Zeit zu haben, verlören Unternehmen keinesfalls aus den Augen, sagte dagegen Benita von Kettler, deren Unternehmen Krähberg Consulting aus Sensbachtal Betriebe nach dem Audit Beruf und Familie der gemeinnützigen Hertie-Stiftung berät und zertifiziert. "Die Arbeitgeber nehmen die Bedürfnisse der Familien inzwischen sehr erst und bemühen sich durch eine familienfreundliche Personalpolitik, eine gesunde Balance zwischen Arbeits- und Familienleben möglich zu machen."

Die Diskussion geht weiter!

"Wer hätte noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten, dass das Thema frühkindlicher Betreuung und Bildung einmal so ins Zentrum öffentlichen Interesses rücken würde. Parallel zu unserem Kongress luden jetzt sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen Entscheider aus Wirtschaft und Gewerkschaften zum Spitzengespräch 'Familie und Wirtschaft' ein", freute sich Weegmann. "Wir wollen, dass das Interesse daran wach bleibt, denn - und das hat dieser Kongress einmal mehr gezeigt - es gibt noch viele Heraus­forderungen." Deshalb laden die Veranstalter bereits jetzt zu "Invest in Future" am 15. und 16. Oktober 2007 ein.

Gerlingen, 25. Oktober 2006